TonArt #2 – Norbert Stein

Für das zweite Motiv meiner Serie machen wir einen Ausflug in den zeitgenössischen Jazz. Seit ich Ende 1986 zum Studium nach Köln gekommen bin habe ich als Zentrale der Kölner Jazzszene immer wieder den Stadtgarten an der Venloer Straße wahrgenommen, hier ist das Zuhause der Initiative Kölner Jazz Haus e.V.. Der Saxofonist und Komponist Norbert Stein ist Mitgründer der Initiative. Seit 1986 bertreibt er das Label PATA MUSIC mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Bei unserem Brainstorming vor den Aufnahmen stellten wir schnell fest, dass das Sujet maßgeblich von der Location abhängen wird. Die Aufnahmen haben wir am 27. Mai gemacht und schon zu dieser Zeit brachte der Wettergott den Sommerregen, der uns dann den Sommer über begleitet hat. Wir waren also auf eine indoor-Location angewiesen. Gemacht haben wir die Fotos schließlich im Saal des Kunsthauses Rhenania. Die Idee war eine Aufnahme im Gegenlicht vor den großen Fenstern des Saals, bei den Making-Of-Fotos kann man es sehen. Richtig zufrieden war ich mit dem Motiv aber nicht, so dass ich noch ein weiteres Sujet fotografiert habe. Als Hintergrund habe ich letztlich eine weiße Wand verwendet, um die Silhouette besser wirken zu lassen. Den Hintergrund habe ich mit 3000 WS beleuchtet, an der Kamera war ein Teleobjektiv mit 360 mm Brennweite. Als Kamera und Licht eingerichtet waren merkten wir schnell, dass Wirkung und Dynmik des Fotos stark von Norbert Steins Körperhaltung abhängig sind.

Hier kommen wir zur Sofortbildfotografie: Polaroid 55 ist ein Trennbildfilm, der ein Positiv und zugleich ein Negativ liefert. Beide stecken zusammen in einem lichtdichten Papierumschlag und werden nach Belichtung und Entwicklung getrennt. Ziel ist das Negativ, das man entweder konventionell vergrößern oder auch scannen kann. Mit Erfahrung kann man ein Negativ zwar halbwegs interpretieren, aber ein ca. 9×12 cm großes Positiv direkt nach der Aufnahme zu haben erleichtert die Bildkomposition ungemein.

Man könnte an dieser Stelle natürlich einwenden, dass Digitalfotografie änhliches leistet, weil das Bild augenblicklich verfügbar wird. Man könnte die Bilder auf einen großen Monitor schicken oder sie sogar direkt ausdrucken. Dennoch ist es nicht dasselbe. Gegen ein Polaroid wirken digitale Bilder irgendwie seelenlos, sie sind meist einfach zu perfekt und zu vorhersagbar. Wird digital fotografiert mündet ein Photoshooting zumeist in ein Datenmeer. Analog mache ich nur einige wenige Aufnahmen, ich konzentriere mich viel stärker aufs Motiv. Ich muss die Eigenarten des Materials berücksichtigen, ich arbeite bewusster und effektiver. Beim Polaroid 55 nutze ich auch den immer etwas anders aussehenden Rand des Negativs, jedes Foto erhält dadurch seinen individuellen „Rahmen“. Einer der wichtigsten Faktoren zur Nutzung einer analogen Großformatkamera ist aber das Format selbst, denn die Bilder sehen durch das große Format einfach anders, besser aus. Die Verteilung der Schärfe im Bild ist nämlich auch maßgeblich vom Aufnahmeformat abhängig. Selbst digitale Mittelformatkameras haben ja noch nicht einmal echtes Mittelformat, hier habe ich schon einmal darüber geschrieben.

Neben allen diesen Punkten gibt es für mich noch einen wesentlichen Grund für die Arbeit mit analogen Kameras: ich kann von den Negativen Lith-Prints anfertigen. Bitte was sind denn Lith-Prints? Darüber schreibe ich dann morgen…

Termine:

Ausstellung Rheine Träume 2014:

Ort: THE NEW YORKER / HARBOUR CLUB
Deutz-Mülheimer-Str. 165
51063 Köln-Mülheim

Vernissage: Dienstag, 16. September 2014, 19 h
Dauer: 16. – 21. September 2014
Öffnungszeiten und weitere Infos auf der Website der Ausstellung.

Präsentation und Diskussion Silber und Bytes:

Freitag, 19. September 2014, 12 h – 20 h
Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK)
An der Rechtsschule
50667 Köln